Kann man ein besseres Leben gestalten?

Ein transdisziplinäres Symposium für Gestalter und Entwerfer, Verwalter und Verfechter von urbanen Städten und lebenswerter Provinz. Und alle, die an die Veränderbarkeit und Gestaltbarkeit der Welt glauben!

Weltweit leben immer mehr Menschen in Städten – Großstädte wachsen unaufhörlich. Dies ist auch in Deutschland zu beobachten; die damit verbundene Abwanderung junger Bevölkerungs- gruppen vom Land in die Stadt hat in vielen Bundesgebieten bereits spürbare Folgen hinterlassen.

Stadt und Land haben unterschiedliche Vorzüge. Doch während sich in den Städten die urbanen Qualitäten eher weiter ausbauen – dort gibt es immerhin Kulturreferate, Stadtplaner, sind Künstler und Soziologen ... involviert und engagiert – gehen auf dem Land die spezifisch ländlichen Qualitäten zusehends verloren, ohne städtische zu gewinnen. Verkehr und Lärm, Zersiedelung und Land- verbrauch, befremdliche touristische Projekte (wie die Eventisierung der Berge) abseits der Städte nehmen zu – gleichzeitig wartet man aber vergebens auf ein schönes (Bio-)Cafe, vegeta- risches Restaurant oder eine neue Galerie.

Man könnte annehmen: Wenn die Städte wachsen, sollte proportional auch die Bedeutung des Landes wachsen, nämlich zur Erholung, für eine Atempause, zum Erleben und Genießen von Natur. Auch könnten hier Lebensmittel in höchster Qualität produziert werden – stattdessen nimmt die Agrarwirtschaft bis unmittelbar an die Berge eine sehr ungute Entwicklung. Ausgerechnet im Allgäu ist der Anteil ökologischen Landbaus verschwindend gering. Und auch die Weiterentwicklung eines öffentlichen Personen-Nahverkehrs oder Lösungen im Bereich intelligenter, individueller Mobilität bleiben bislang nur städtische Themen. Auf dem Land sind bei Familien mindestens zwei Autos im Einsatz, dazu braucht man Stellplätze und Garagen…

In einer Art geistigem Biosphärenreservat der 1970er Jahre lebt, baut und wirtschaftet man hier noch immer, als wäre alles unendlich und ohne Folgen nutzbar. Gleichzeitig gibt man sich naturverbunden: Klar, für Ski und Mountainbike braucht man die Berge!

In manchen ländlichen Regionen wie dem Allgäu ist der Tourismus (zwar auch eine Belastung) immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Fehlt der und ein gewisses Maß an Unternehmen, ist das Weggehen (in die Stadt) weniger Spaß als Not. Weil bekanntermaßen ja alles irgendwie zusammenhängt, schauen wir gleichzeitig auch auf die Stadt – wie verändert sie sich? Ist ihre Qualität mittlerweile zu einer Frage des verfügbaren Einkommens verkommen? Wie werden Mieten bezahlbar? Damit trägt zu einem nicht unwesentlichen Teil ja gerade auch die »Landflucht« bei! Und reizvoll ist ja nicht die Stadt, sondern ganz wenige, bestimmte: Berlin, München, Hamburg, Zürich oder Wien – dort weiß man sozusagen nicht, wohin mit den Menschen. Was können Design und Designforschung bei solchen und dazu solch widersprüchlichen Entwicklungen leisten? Welche Optionen und Alternativen können aufgezeigt werden? Welche neuen Wege in der Regionalentwicklung, dem Bauen, Wirtschaften, der Veränderung von Einstellungen und Gewohnheiten gibt es bereits, von denen wir lernen können? Wie können wir nicht nur Medien selbst gestalten, sondern auch mehr und mehr Prozesse, soziale Aspekte, Interaktion, Kommunikation und konkrete Strategien? Denn wir dürfen nicht nur die Stadt urbaner (und sollten sie damit zugleich gerechter machen) sondern müssen auch das Land lebenswerter gestalten – mit dem Ziel einer ökologischen, sozialen und ökonomischen Balance für alle, die hier wohnen und zu Gast sind. Das Symposium hat kein konkretes Ziel, keine vorformulierte »Konklusio« – allein eine Art Manifest gemeinsam zu erarbeiten wäre nicht ohne Reiz. Unsere SprecherInnen versuchen die Themen aus verschiedensten Blickwinkeln zu behandeln – vom Imker, der über Individualität und Gemeinschaft spricht, bis hin zur Städteplanerin, die dieses Thema für die australische Regierung erforscht hat …