Total Refusal & Sarah Fichtner

Minuswelt – Zur feministischen Geschichte des Deutschen Bauernkriegs. In der Darstellung des Bauernkriegs kommen, wie auch in Videospielen, Frauen kaum vor. Das wollte die Marxistische Medienguerilla »Total Refusal« gemeinsam mit Sarah Fichtinger und Nikola Supukovic ändern. Es entstand ein Essayfilm über den einzigartigen Moment einer verlorenen Utopie …


Im wörtlichen Sinne spielend, legt das österreichische Künstler:innenkollektiv Total Refusal (gegründet 2018) ideologische Strukturen frei, die sich unter der realistischen Illusion von Computerspielen verbergen.

Für Planetarische Bauern eignet es sich zusammen mit Sarah Fichtinger das Anfang 2025 veröffentlichte Kingdom Come: Deliverance 2 an und greift mit Unterstützung des Modders Nikola Supukovic in die digitalen Texturen ein. Die Handlung des Spiels, das mit einer besonders geschichtstreuen Darstellung wirbt, ist in der bäuerlichen Gesellschaft des späten Mittelalters angesiedelt.

Inspiriert durch neuere historische Forschungen konzentriert sich Minuswelt auf die Repräsentation der Frauen und die utopischen Räume der Frühen Neuzeit. Denn die Privatisierung von Gemeingütern und die Verdrängung von Frauen und ihrer Arbeit in den häuslichen Raum bildeten die Basis für den aufkommenden Kapitalismus zu dieser Zeit. Wie werden die Rolle der Frauen und ihre damaligen Lebensbedingungen im gegenwärtigen Massenmedium Videospiel dargestellt?

Konzept/ Regie/ Kamera: Sarah Fichtinger, Leonhard Müllner | Modding/Kamera: Nikola Supukovic | Musik: Adina Camhy


Nikola Supuković (*1991) ist Medienkünstler, Theoretiker, Lehrer und Game Developer. Seine derzeitigen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind Digitale Kulturen, Computerspiele als Ideologeme neoliberaler Gesellschaften, die Geschichte des digitalen Computers und Computergrafik. Er studierte Geschichte, Anglistik, Philosophie, Game Design und Experimentelle Spiele in Wien und lebt dort.

Sarah Fichtinger ist Künstlerin und Lehrende für künstlerische Fächer. Für ihre Arbeit wählt sie einen künstlerisch-wissenschaftlichen Ansatz und beschäftigt sich intensiv mit Fragen des Feminismus, einer feministisch-materialistischen Perspektive auf Geschichte sowie der Überschneidung zwischen Kunst, Fashion, Politik, Aktivismus und Antikapitalismus. Sie bewegt sich transdisziplinär zwischen Film, Sound, Performance, textilen Gestaltungsformen und Illustration. Sarah verbindet Methoden der Kunstgeschichte und Gender Studies und bedient sich in ihrer Arbeit der Theorien von Postcolonial und Cultural Studies.

Total Refusal Seit 2018 erforscht und praktiziert die pseudo-marxistische Medienguerilla Total Refusal Strategien zur künstlerischen Intervention in zeitgenössischen Computerspielen. Sie arbeitet mit Werkzeugen der Aneignung und Umwidmung von Spieleressourcen, mit Text, Film und Installation. Ihre Filme und Performances wurden u.a. auf der Berlinale '20, Locarno 22 und im MoMA in NYC präsentiert und sie erhielten über internationale Preise und lobende Erwähnungen, darunter den Europäischen Filmpreis und den Best Short Direction Award beim Locarno Film Festival.

Bei SLS wird Total Refusal durch Leonhard Müllner, der das Kollektiv mitbegründet hat, vertreten. Er war übrigens »Pecha-Kucha«-Award Gewinner bei »Stadt.Land.Schluss.« im Jahr 2017!—)

totalrefusal.com